Adobe Commerce – Wie hat sich Magento 2 in den letzten 10 Jahren entwickelt? | Kussin

Adobe Commerce – Wie hat sich Magento 2 in den letzten 10 Jahren entwickelt?


10 Jahre Magento 2 – Entwicklung, Wandel, Perspektive

13.11.2025 | Daniel Kussin | Adobe Commerce

Wir bei KUSSIN begleiten Magento seit 2009 – also lange bevor aus dem Open-Source-System eine Enterprise-Plattform wurde. In dieser Zeit haben wir unzählige Shops auf Basis der Community Edition umgesetzt, weiterentwickelt und über viele Jahre im laufenden Betrieb betreut.
Was als flexibles Framework für Händler begann, hat sich über die letzten zehn Jahre zu einer komplexen Commerce-Plattform entwickelt, die heute ganze Systemlandschaften verbindet.

In diesem Beitrag möchte ich zeigen, wie sich Magento 2 technisch und strategisch verändert hat, welche Rolle Adobe dabei spielt – und warum wir auch in Zukunft auf die Community-Edition setzen werden.

Vom Open-Source-Projekt zur Enterprise-Plattform

Als Magento 2 im Jahr 2015 erschien, war das ein echter Neustart. Magento 1 hatte seine Grenzen erreicht – vor allem in Bezug auf Performance, Architektur und Wartbarkeit. Die Entwickler:innen entschieden sich für einen kompletten Re-Write: neue Codebasis, modulare Struktur, Composer-Integration und Dependency Injection.

2018 folgte dann der entscheidende Einschnitt: Adobe übernahm Magento und positionierte es als Teil der Adobe Experience Cloud. Der Fokus verschob sich von der offenen Community hin zur Enterprise-Lizenz – mit Cloud-Hosting, Subscriptions und enger Verzahnung mit Adobes Marketing-Suite.

Für viele Agenturen war das ein Bruch. Auch wir bei KUSSIN haben uns bewusst entschieden, bei der Community Edition zu bleiben, weil sie Offenheit, Transparenz und technische Kontrolle ermöglicht – gerade für mittelständische Unternehmen mit gewachsenen Strukturen.

Architektur & Technologie – Der Sprung in die Enterprise-Klasse

Magento 2 war nie ein einfaches Upgrade, sondern eine Neuentwicklung auf Enterprise-Niveau.
Die Plattform brachte ein modernes technisches Fundament – aber auch eine höhere Einstiegshürde:

  • Modularität & Dependency Injection: Sauberere Architektur, klarere Verantwortlichkeiten, weniger Code-Redundanz.
  • Composer & APIs: Erleichterte Paketverwaltung, Headless-Integration und API-First-Design mit REST und GraphQL.
  • Asynchrone Prozesse: Queueing, Message-Broker und Caching für Performance und Skalierbarkeit.
  • DevOps & Cloud-Integration: Automatisierte Deployments, Container-Support und Continuous Integration.

Diese Modernisierung hat Magento auf ein neues technisches Niveau gehoben. Gleichzeitig verlangt sie heute ein anderes Mindset – weg vom „einfachen Shopsystem“, hin zu einer Anwendungsplattform, die sich tief in ERP-, PIM- und CRM-Prozesse integriert.

Markt & Community – Zwischen Adobe Cloud und Open Source

Seit der Adobe-Übernahme hat sich das Magento-Ökosystem deutlich verändert.
Adobe Commerce Cloud richtet sich klar an große Enterprise-Kunden, die den kompletten Cloud-Stack und Support benötigen. Für Mittelständler ist das Modell jedoch oft zu komplex und kostenintensiv – nicht nur in Lizenzkosten, sondern auch in laufendem Betrieb.

Parallel dazu hat die Community nie aufgehört, die Open-Source-Variante weiterzutragen.
Projekte wie Mage-OS setzen das ursprüngliche Erbe fort: eine stabile, technisch saubere und frei verfügbare Version, die unabhängig von Adobe gepflegt und modernisiert wird.

Wir sehen darin die Zukunft des Systems.
Die Stärke von Magento lag immer in seiner Offenheit – und genau deshalb setzen wir auch weiterhin auf die Community-Edition und auf Integrationen, die unseren Kunden langfristig technische Unabhängigkeit sichern.

Zehn Jahre Magento 2 in der Praxis – Erfahrungen aus der KUSSIN-Perspektive

In den vergangenen zehn Jahren haben wir bei KUSSIN eine Vielzahl von Magento-2-Projekten analysiert, übernommen und stabilisiert – häufig dann, wenn andere Agenturen an ihre Grenzen gestoßen sind.

Typische Szenarien, die uns begegnen:

  • Technische Schulden: Altlasten durch Schnelllösungen und unklare Architekturentscheidungen.
  • Schnittstellenprobleme: ERP- und PIM-Anbindungen mit fehlerhaften Queue-Logiken.
  • Performance-Engpässe: Nicht skalierende Caches oder blockierende Prozesse.
  • Fehlende Dokumentation: Komplexe Eigenentwicklungen ohne nachvollziehbare Struktur.

Unser Vorgehen bleibt konsequent technisch:

  1. System-Scan – Architektur-, Modul- und Prozessanalyse.
  2. Schnittstellen-Audit – Bewertung aller ERP-, PIM- und CRM-Anbindungen.
  3. Refactoring-Roadmap – gezielter Abbau technischer Schulden und Stabilisierung des Betriebs.

Dieses Vorgehen sorgt dafür, dass Magento-Systeme wieder zuverlässig, nachvollziehbar und skalierbar laufen – unabhängig davon, ob sie auf OXID, Magento 2 oder Shopify basieren.

Fazit – Warum wir bei der Community Edition bleiben

Magento 2 ist und bleibt eines der flexibelsten Systeme im Enterprise-Commerce.
Doch die Trennung zwischen der Adobe-Cloud-Variante und der offenen Community-Edition ist heute klarer denn je.

Für Unternehmen, die Wert auf Kontrolle, Integrationsfreiheit und langfristige Wirtschaftlichkeit legen, ist die Community Edition die bessere Wahl. Sie erlaubt tiefgehende Anpassungen, ohne sich in Lizenzmodelle oder geschlossene Cloud-Infrastrukturen einzukaufen.

Wir bei KUSSIN werden auch künftig auf dieses Fundament setzen – kombiniert mit modernen Hosting-, CI/CD- und Observability-Lösungen, die Enterprise-Stabilität ohne Enterprise-Komplexität ermöglichen.